Erdölbohrung vor den Kanaren

Erdölbohrung vor den Kanaren

Erdölbohrung vor den Kanaren hat begonnen.

Erdölbohrung vor den KanarenJeder Grund­stück­be­sit­zer wäre “Hap­py”, wenn unter sei­nem Land eine Erd­öl­bla­se gefun­den wür­de. Das flüs­si­ge Gold ver­spricht viel Geld und Reich­tum. Die texa­ni­sche Gold­grä­ber- Stim­mung kommt aller­dings auf den Kana­ri­schen Inseln nicht so rich­tig auf.

No- Erd­öl­boh­rung vor den Kana­ren ist das Mot­to. Eine mäch­ti­ge Gegen­be­we­gung von Bür­gern, Umwelt­schüt­zern, Hotel­be­trei­ber und inter­na­tio­na­ler Tou­rist­kun­ter­neh­men stellt sich einer Erd­öl­boh­rung vor den Kana­ren ent­ge­gen (Fotos: NoOil Cana­ri­as).

Referendum zur Erdölbohrung vor den Kanaren

Auch die ört­li­che Poli­tik hat inzwi­schen ihren fes­ten Platz in der Ableh­nungs­front gefun­den. Dabei war es von Anfang gar nicht klar auf wel­cher Sei­te sich die hier herr­schen­de natio­na­le Par­tei Coali­ti­on Cana­ria (CC) ein­reiht. Erst als klar wur­de, dass es bei der Erd­öl­boh­rung vor den Kana­ren für die Inseln nichts zu ver­die­nen gibt und Madrid den Erlös der Bohr­rech­te allein ein­streicht, wur­de Stel­lung bezo­gen. Zudem sind im Mai 2015 Komu­nal­wah­len.

Erdölbohrung vor den Kanaren-Industrieminister Jose Manuel SoriaDer Gegen­spie­ler ist der in Gran Cana­ria gebo­re­ne Jose Manu­el Soria. Heu­te Minis­ter für Indus­trie, Ener­gie und Tou­ris­mus in Madrid und Mit­glied der kon­ser­va­ti­ven Regie­rungs­par­tei PP. Er hat in sei­ner Funk­ti­on als spa­ni­scher Minis­ter die Geneh­mi­gung für die Erd­öl­boh­rung vor den Kana­ren für den Rep­sol Kon­zern erteilt. Ein gefun­de­nes Fres­sen für die schon seit Jah­ren im Kon­kur­renz­kampf ste­hen­den Par­tei­en. Die CC hat­te nun end­lich die Mög­lich­keit ihr ohne­hin durch “Vet­tern­wirt­schaft” ange­kratz­tes Image wie­der auf­zu­po­lie­ren und so viel­leicht den Wäh­ler­ver­lust der letz­ten Jah­re wett zu machen.

Kurz­um wur­de vom Kana­ren Prä­si­dent Pau­li­no Rivero eine kana­ri­sche Volks­ab­stim­mung – ein Refe­ren­dum – für den 23. Novem­ber 2014 ange­setzt. Die Ölplä­ne sei­en eine Bedro­hung für die tou­ris­ti­sche Wirt­schaft, von der die belieb­ten Feri­en­in­seln leben – so Pau­li­no Rivero.

Glau­ben Sie, dass die Kana­ri­schen Inseln ihr Umwelt- und Tou­ris­mus­mo­dell wegen der Gas- und Ölsu­che ändern soll­ten?“

So oder ähn­lich wird die indi­rek­te Fra­ge­stel­lung an die Wäh­ler lau­ten. Nach der spa­ni­schen Ver­fas­sung dür­fen aller­dings Volks­ab­stim­mun­gen nur von der Madri­der Zen­tral­re­gie­rung initi­iert wer­den … und das wird Madrid tun­lichst ver­mei­den.

Für die kana­ri­sche Regio­nal­re­gie­rung ist aller­dings der Zustim­mungs­er­folg so gut wie sicher –  falls es über­haupt zur Abstim­mung kommt.

Madrid hat bereits ange­kün­digt auch die­ses ille­ga­le Refe­ren­dum, nach der geplan­ten und jetzt ver­bo­te­nen Volks­ab­stim­mung in Kata­lo­ni­en, gericht­lich ver­bie­ten zu las­sen.

Ölpest bei Erdölbohrung vor den Kanaren zu befürchtet?

Zunächst sind es nur Pro­be­boh­run­gen um das genaue Aus­mass des Ölfel­des und die Qua­li­tät des Erd­öl zu unter­su­chen. Gut 10 Mil­lio­nen Euro wird nach Anga­ben von Rep­sol die­se Erkun­dungs­pha­se kos­ten. Es gilt aber als ziem­lich sicher, dass rie­si­ge Men­gen die­ses Roh­stoff unter den Kana­ren lagern.

Auch der Cana­rio fährt regel­mäs­sig zu sei­ner Rep­sol Tank­stel­le, um sein Fahr­zeug genau mit die­sem Pro­dukt zu befül­len. Und der Strom aus der Steck­do­se wird auch mit Schwer­öl erzeugt. Ohne Erd­öl gibt es auch kei­nen Tou­ris­mus.

Erdölbohrung vor den Kanaren Erd­öl “Ja” – aber kei­ne Erd­öl­för­de­rung direkt vor unse­rer Haus­tür. Die­se wider­sprüch­li­che Denk­wei­se scheint vie­len nicht bewusst zu sein. Das Erd­öl brau­chen wir, aber der Dreck bei einer evtl. Ölka­ta­stro­phe sol­len Ande­re in fer­nen Län­dern Aus­löf­feln. Eine viel­leicht zynisch und ego­is­ti­sche Denk­wei­se, aber so den­ken heu­te lei­der vie­le Men­schen. Es gibt auch schon ein Kata­stro­phen-Sze­na­rio für einer Ölpest. Mit dem nach Süden trei­ben­den kal­ten Kana­ren­strom wer­den gro­ße Men­gen des aus­strö­men­den Erd­öl (sie­he roter Bereich in der Gra­fik) an der afri­ka­ni­schen West­küs­te Rich­tung Süden abge­trie­ben. Betrof­fen wären vor allem die Ost­in­seln Fuer­te­ven­tu­ra, Lan­za­ro­te und Gran Cana­ria.

Die West­in­seln wie La Pal­ma oder El Hier­ro wären davon kaum betrof­fen. Wür­den nun die West­in­seln genau­so ego­is­tisch den­ken, könn­te es ihnen egal sein. Aber auch hier gibt es viel Soli­da­ri­tät mit den Brü­dern und Schwes­tern in der öst­li­chen Regi­on.

Grund­sätz­lich muss auch die Fra­ge auf­ge­wor­fen wer­den, war­um nicht in den wirt­schaft­lich guten Zei­ten als noch reich­lich För­der­mit­tel aus Madrid und Brüs­sel flos­sen, nicht für eine sinn­vol­le Ver­wen­dung die­ser Mit­tel pro­tes­tiert wur­de. Nur die Insel El Hier­ro hat es ver­stan­den in rege­ne­ra­ti­ve Ener­gie zu inves­tie­ren. Heu­te erzeugt sie als ein­zi­ge Insel 100% des ver­brauch­ten Strom aus Wind­ener­gie. Alle ande­ren Inseln haben es vor­ge­zo­gen in heu­te leer­ste­hen­de Wohn­blocks, sinn­lo­se Beton­frag­men­te, über­gro­ße Stra­ßen­pro­jek­te oder kaum benutz­te Flug­plät­ze zu inves­tie­ren. Wo die not­wen­di­ge Ener­gie her­kom­men soll, war damals kein The­ma.

Aus Sicht der Zen­tral­re­gie­rung in Madrid han­delt Minis­ter Jose Manu­el Soria im Inter­es­se von Gesamt­spa­ni­en. Fast 100 % des ver­brauch­ten Erd­öl in Spa­ni­en muss ein­ge­führt wer­den. Welch ein Glück zufäl­lig im eige­nen spa­ni­schen Ter­ri­to­ri­um eine ergie­bi­ge Öl Lager­stät­te zu fin­den und aus­zu­beu­ten zu kön­nen. Rück­sicht auf die Kana­ren wird er dabei nicht neh­men. Auch im Mit­tel­meer vor den Balea­ren wer­den Erd­öl­fel­der ver­mu­tet. Auch hier wäre der Tou­ris­mus betrof­fen.

Warum ich trotzdem gegen eine Erdölförderung vor den Kanaren bin

Es ist die beson­de­re Lage der Kana­ren. Im geo­lo­gi­schen Unter­grund lau­ert ein Vul­kan. Der Kana­ri­sche Hot­spot war­tet nur auf sei­ne Chan­ce.

Erdölbohrung vor den KanarenEine Erd­öl­boh­rung vor den Kana­ren wür­de genau in Rich­tung des ver­mu­te­ten Mag­ma­ka­nal, der sich bis zur afri­ka­ni­schen West­küs­te erstreckt, füh­ren (sie­he sche­ma­ti­sche Gra­fik). Bei einer Boh­rung bis in 6700 Meter Tie­fe (so ist es geneh­migt) wür­de der Bohr­mei­ßel selbst nicht in Berüh­rung mit dem in rund 15 km tief lie­gen­den Mag­ma kom­men. Bei einer spä­te­ren Ölför­de­rung ändern sich aber die Druck­ver­hält­nis­se im Decken­ge­wöl­be der Mag­ma­kam­mer. Die unter hohem Druck ste­hen­den flüs­si­gen Gesteins­mas­sen und Gase könn­ten dadurch ani­miert wer­den und uner­war­tet auf­stei­gen. Sie­he auch “Die Suche nach dem schwar­zen Gold”.

Mit die­ser Natur­ge­walt und den dann auf­tre­ten­den kata­stro­pha­len Fol­gen soll­te sich der Mensch lie­ber nicht anle­gen oder es auch nur test­wei­se ver­su­chen. Bis­her wur­de auch noch in kei­nem Land der Erde der Ver­such unter­nom­men in einem vul­kan­ak­ti­ven Gebiet über einem Hot­spot Erd­öl zu för­dern. Es wäre ein Expe­ri­ment mit unbe­kann­tem Aus­gang. Sonst wird das jetzt noch als Sze­na­rio dar­ge­stell­te, viel­leicht schnell Wirk­lich­keit.

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