Geologen Urteil von L’Aquila aufgehoben

L'Aquila Erdbeben 2009

Freispruch im L’Aquila Geologen Prozess gestern

Geologen UrteilAm 6.April 2009 erschüt­ter­te ein star­kes Erd­be­ben von über ML6,0 die 70.000 Ein­woh­ner Stadt  L’Aquila in Ita­li­en. Es gab 319 Tote und über 1500 Ver­letz­te und vie­le Häu­ser und Gebäu­de stürz­ten ein und sind bis heu­te nur zum Teil wie­der auf­ge­baut (Foto: Wiki/Insilvis). Alle Mit­glie­der der Risi­ko- Kom­mis­si­on  (Kata­stro­phen­stab) die für die War­nung und Sicher­heit der Bewoh­ner zustän­dig waren, wur­den zu lang­jäh­ri­gen Haft­stra­fen von 6 Jah­ren ver­ur­teilt. Wider bes­se­ren Wis­sen sol­len sie den Anwoh­nern eine fal­sche Sicher­heit vor­ge­spielt haben und so den Tod vie­ler Men­schen bil­li­gend in Kauf genom­men haben.
Unter den Wis­sen­schaft­lern brach über das L’Aquila Geo­lo­gen Urteil ein Sturm der Ent­rüs­tung los – sie­he dazu Bei­trag “Ent­rüs­tung unter Geo­lo­gen

Jetzt hat ein ita­lie­ni­sche Beru­fungs­ge­richt alle sie­ben Geo­lo­gen und loka­len Poli­ti­ker die­ser Risi­ko-Kom­mis­si­on in zwei­ter Instanz frei­ge­spro­chen. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

War das ers­te L’Aquila Geo­lo­gen Urteil viel­leicht zu hart, ist jetzt der völ­li­ge Frei­spruch ein Skan­dal. An der Sach- und Beweis­la­ge hat sich inzwi­schen nichts geän­dert. Doch kom­men nun ande­re Rich­ter zu einer völ­lig ande­ren Mei­nung.
Die Stim­mung unter den betrof­fe­nen Ein­woh­nern und Ange­hö­ri­gen ist ent­spre­chend.

Die L’Aquila Toten haben dafür sicher kein Verständnis

Es schreit förm­lich danach, dass die Hin­ter­blie­be­nen für Gerech­tig­keit sor­gen.
Auch Wis­sen­schaft­ler und Poli­ti­ker müs­sen für ihre Ent­schei­dun­gen gera­de ste­hen. Kei­ner zwingt einen Geo­lo­gen in die­sem Kri­sen­stab mit­zu­ar­bei­ten. Die Mit­glie­der wer­den für ihre Tätig­keit im Stab ent­lohnt. Es war sicher kei­ne ein­fa­che Ent­schei­dung – aber Vor­zei­chen ein­fach zu igno­rie­ren und zahl­rei­che Men­schen in ihren Häu­sern zurück zulas­sen und dem Risi­ko einer Ver­let­zung oder gar dem Tod aus­zu­set­zen, muss auch gesühnt wer­den. Sie­he auch Erd­be­ben – Fehl­ein­schät­zung und die Fol­gen

Nur der klei­ne aber wich­ti­ge Hin­weis auf die Mög­lich­keit, dass ein stär­ke­res Beben nicht ganz aus­zu­schlie­ßen sei, hät­te gereicht. Vie­le Bewoh­ner hät­ten es sicher vor­ge­zo­gen bei Freun­den oder im Pkw außer­halb der eige­nen vier Wän­de zu über­nach­ten. Die Opfer­zahl wäre sicher nied­ri­ger aus­ge­fal­len.
Nur um Panik zu ver­mei­den, wur­de wis­sent­lich die­ses Risi­ko ein­ge­gan­gen. Auch deut­sche Geo­lo­gen sind inzwi­schen die­ser Mei­nung – sie­he dazu das Inter­view mit Prof. Rai­ner Kind vom Geo-For­schungs-Zen­trum Pots­dam.

Das Ver­trau­en in die ita­lie­ni­sche Jus­tiz wür­de noch wei­ter schwin­den, wenn das Urteil so Bestand hät­te. Auf­ge­rüt­telt wur­den durch das L’Aquila Geo­lo­gen Urteil aber euro­pa­weit die ent­spre­chen­den Gre­mi­en. Nicht jede Ent­schei­dung, egal aus wel­chen poli­ti­schen Grün­den auch immer, wird mehr als “Gott­ge­ge­ben” hin­ge­nom­men.

Ehr­lich­keit, umfas­sen­de offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on und auch das ein­ge­ste­hen von feh­len­den Erkennt­nis­sen ist alle­mal bes­ser, als den Tod von Men­schen zu ris­kie­ren. Der Bür­ger ist heu­te mün­dig kei­ne Halb­wahr­hei­ten oder Mär­chen auf­ge­tischt zu bekom­men. Er möch­te sei­nen Poli­ti­kern und ein­ge­schlos­sen in die­sem Fall auch den “Fach­leu­ten” ver­trau­en und nicht stän­dig belo­gen oder besänf­tigt wer­den.

Ich weiß es ist ein from­mer Wunsch, aber mein Ver­ständ­nis von sach­ge­rech­ter Infor­ma­ti­on und Auf­rich­tig­keit. Ande­ren Men­schen zu hel­fen und sie vor dro­hen­den Gefah­ren zu war­nen, ist nicht nur ein Job mit fes­ter Arbeits­zeit, son­dern soll­te auch eine Beru­fung sein.

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