Geothermie wie nutzbar machen?

Vulkanenergie - Modell

Vulkanenergie mit Geothermie als Energiequelle.

Wäh­rend es unter El Hier­ro wei­ter kei­ne vul­ka­ni­schen Akti­vi­tä­ten zu ver­mel­den gibt, möch­te ich mich heu­te  mit der Ener­gie­ge­win­nung aus Vul­ka­nen beschäf­ti­gen.
Die Geo­ther­mie ist eine schon vie­le Jah­re genutz­te Mög­lich­keit, die Vul­ka­nener­gie – die Vul­kan­hit­ze – in elek­tri­schen Strom umzu­wan­deln oder als Warm­was­ser­hei­zung für Häu­ser zu nut­zen. Im Erd­in­nern sind rie­si­ge Ener­gie­re­ser­ven gespei­chert, die nur nutz­bar gemacht wer­den müs­sen.

Die bekann­tes­ten Bei­spie­le ken­nen wir aus Island, wo heu­te bereits 50 Pro­zent der benö­tig­ten Ener­gie aus “Ther­mal­quel­len” gewon­nen wird. Es sind natür­li­che Schlo­te aus dem Erd­in­nern, die erhitz­tes Was­ser oder Was­ser­dampf an die Erd­ober­flä­che drü­cken (sie­he auch Gey­sir). Dafür sind Grund­was­ser oder eine was­ser­füh­ren­de Schicht in Nähe einer Wär­me­quel­le (Mag­mab­la­se, Plu­me) und ein Kamin zur Atmo­sphä­re nötig.
Die­se Vor­aus­set­zung brin­gen aber die wenigs­ten Vul­ka­ne mit.

Wie können wir diese Geothermie Quelle trotzdem anzapfen?

Geothermie - ModellDas soll nun erst­mals an einem Vul­kan in Ore­gon (USA) getes­tet wer­den. Das Test­ob­jekt liegt weit von der nächs­ten Zivi­li­sa­ti­on ent­fernt, damit bei einem Fehl­schlag kei­ne Men­schen gefähr­det wer­den.

Die Unter­neh­men Alta­Rock Ener­gy und Daven­port New­ber­ry (Gra­fik) wagen sich mit US Regie­rungs­un­ter­stüt­zung von 21,5 Mil­lio­nen Dol­lar an das Pro­jekt. Auch der Inter­ne­trie­se Goog­le als Inves­tor steu­ert 6,3 Mil­lio­nen Dol­lar bei.

Mit einer ers­ten Geo­ther­mie Boh­rung bis in 3.230 Meter Tie­fe Rich­tung Mag­ma­kam­mer sol­len dann 91 Mil­lio­nen Liter Was­ser (3000 Liter pro Minu­te) als Was­ser­re­ser­voir und Medi­um in die Tie­fe gepumpt wer­den (blaue Lei­tung). Man glaubt natür­li­che Hohl­räu­me in die­ser Tie­fe zu haben und damit Auf­fül­len zu kön­nen.
Über eine zwei­te Ste­glei­tung (rot) soll dann das erhitz­te Was­ser zurück an die Erd­ober­flä­che strö­men. Hier soll über Tur­bi­nen sau­be­rer Strom erzeugt wer­den. Im Grun­de ein ein­leuch­ten­des Prin­zip, das theo­re­tisch auch funk­tio­nie­ren könn­te.

GeothermieDer Teu­fel steckt aber im Detail. Der Bohr­mei­sel kann nur so tief in den Unter­grund ein­drin­gen, wie es die Hit­ze zulässt. Die Rei­bungs­hit­ze und das als Kühl­mit­tel ein­ge­setz­te Was­ser wird bei zuneh­men­der Tem­pe­ra­tur den Dienst quit­tie­ren (Schmelz­punkt). Es ist nicht genau bekannt wie hoch die natür­li­che Gesteins­tem­pe­ra­tur in Magma­nä­he sein wird oder wie weit das Mag­ma über­haupt auf­ge­stie­gen ist.  Daher wird der ers­te Bohr­ab­schnitt zunächst bei knapp 1000 Meter Tie­fe enden. Hat das Bohr­team Pech und bohrt eine Mag­mab­la­se an, fliegt dem Team das Bohr­ge­stän­ge um die Ohren und löst damit viel­leicht eine Erup­ti­on aus.

Soll­te die Boh­rung aber gelin­gen, taucht schon die nächs­te Fra­ge auf.
Die gro­ße Was­ser­men­ge wird mit Druck in den Unter­grund ein­ge­presst. Wie ver­hält sich das Gestein? Kommt es zu Ver­schie­bun­gen im Gestein­auf­bau, lösen sich Span­nun­gen und wer­den dadurch nicht gewoll­te Erd­be­ben aus­ge­löst?

Die Pro­ble­me beim Fracking oder von Geo­ther­mie Boh­run­gen sind bekannt. Ob ein­ge­press­tes Was­ser oder ent­nom­me­nes Grund­was­ser, oft hat es schon – auch ohne Vul­kan – geo­lo­gi­sche Ver­wer­fun­gen mit nega­ti­ven Fol­gen für die Bewoh­ner gege­ben.

In einen Vul­kan zu boh­ren ist aber noch etwas heik­ler und eine ganz ande­re Sache. Im Unter­grund wir­ken viel stär­ke­re Kräf­te unter hohem Druck, die nur eine Mög­lich­keit suchen an die Erd­ober­flä­che zu gelan­gen.
Der Grad bis zum Infer­no ist hier wesent­lich schma­ler. Es wird dann sicher nicht ein­fach wer­den, die künst­lich aus­ge­lös­te Natur­ge­walt auch wie­der zu stop­pen.

Es ist aber der For­scher­drang des Men­schen auch Risi­ken ein­zu­ge­hen um ein Geheim­nis zu lüf­ten. Soll­te das Expe­ri­ment nach dem Wil­len der betei­lig­ten Fir­men gelin­gen, könn­te es der Schlüs­sel zu neu­en und gro­ßen Geo­ther­mie Ener­gie­re­ser­ven sein.

Geothermie für die Kanaren?

Es wäre dann auch für die Kana­ri­schen Inseln ein neu­er Denk­an­stoß, die­se hier auf allen Inseln lie­gen­den Geo­ther­mie Res­sour­cen zu nut­zen.
Im Timan­fa­ya Natio­nal­park auf Lan­za­ro­te wer­den z.B. schon in 6 bis 8 Meter Tie­fe Tem­pe­ra­tu­ren von über 140°C gemes­sen, die in sekun­den­schnel­le Was­ser zu Was­ser­dampf ver­wan­deln kön­nen. Es bedarf hier kei­ner all­zu tie­fen Boh­rung um an nutz­ba­re Ener­gie zu gelan­gen. Geschlos­se­ne Was­ser­kreis­läu­fe – ohne das Risi­ko ein Medi­um in den frei­en Unter­grund pum­pen zu müs­sen – sind denk­bar.

Das The­ma Vul­ka­nener­gie und Geo­ther­mie-Nut­zung hat hier kei­ne Tra­di­ti­on. Schwer­öl ist nach wie vor, mit Aus­nah­me von El Hier­ro, die Devi­se.
Es mag die Träg­heit, etwas Angst und die bis­her rela­tiv güns­ti­ge Mine­ral­öl­be­schaf­fung gewe­sen sein (Die­sel 1,02 € /Benzin 1,05 € – Stand 25.11.14), die alle Gedan­ken in Rich­tung alter­na­ti­ve oder rege­ne­ra­ti­ve Ener­gie gelähmt hat.

Anders­den­ken­de wur­den als Spin­ner, Fan­tas­ten und Träu­mer ange­se­hen. Auch El Hier­ro hät­te heu­te kein Rege­ne­ra­ti­ves Ener­gie­pro­jekt, wären nicht die 90 %igen Sub­ven­tio­nen aus Brüs­sel und ein Visio­när gewe­sen.

Las­sen wir nun erst ein­mal die Ame­ri­ka­ner ihre Geo­ther­mie Ver­su­che in die­ser men­schen­lee­ren Gegend erfolg­reich abschlie­ßen.
Dann wer­den auch wir – davon bin ich über­zeugt – die Ener­gie direkt unter unse­ren Füs­sen suchen und in eini­gen Jah­ren auch Nut­zen kön­nen …oder wahr­schein­lich sogar Nut­zen müs­sen.

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