Mehr Vulkanismus auf den Kanaren

Vulkanismus

Erdbeben der Stärke ML2,6 und ML2,8 gemessen -

Ver­stärk­ter Vul­ka­nis­mus ist in den letz­ten Wochen wie­der auf den Kana­ren zu beob­ach­ten. Am 24. August um 10.58 Uhr ein ML2,8 Erd­be­ben zwi­schen Tene­rif­fa und Gran Cana­ria aus 16 km Tie­fe und um 15.21 Uhr (Orts­zeit) ein ML2,6 Beben vor El Hier­ro. Der zwei­te Erd­stoß lag vor der Süd­west­küs­te von El Hier­ro und kam aus 17 km Tie­fe.

Erd­be­ben die auf den Inseln von Men­schen nicht zu spü­ren sind, aber für den Vul­ka­no­lo­gen und die IGN inter­es­san­te Auf­schlüs­se lie­fern. Auch für mich Anlass auf­zu­hor­chen und dar­über zu berich­ten.

Das vor­han­de­ne Netz mit emp­find­li­chen Seis­mo­gra­fen der IGN zeich­net jede Erschüt­te­rung auf. In den ver­gan­ge­nen 15 Tagen sum­mie­ren sich die Beben damit auf 65  seis­mi­sche Akti­vi­tä­ten. Die Schwer­punk­te und Zen­tren des Vul­ka­nis­mus auf den Kana­ri­schen Inseln lie­gen öst­lich von Tene­rif­fa und süd­west­lich der jüngs­ten Vul­kan­in­sel El Hier­ro. Die Gra­fik der IGN aus den letz­ten 90 Tagen zeigt das Haupt­ge­wicht nach Far­be von gelb (schwach) nach rot (stark) an.

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Mit dem Vulkanismus leben

Seis­mi­sche Bewe­gun­gen sind auf den Kana­ren nor­mal. Eine Häu­fung oder gar Schwarm­be­ben wie im Okto­ber letz­ten Jah­res und im Febru­ar 2018  auf La Pal­ma, aber nicht üblich. Zu die­sem Ergeb­nis kommt auch Neme­sio Perez der wis­sen­schaft­li­che Direk­tor von Invol­can.

In einem Inter­view für die Tages­zei­tung El Dia­rio ver­gleicht er die mag­ma­ti­schen Intui­ti­ons­pro­zes­se und die Wahr­schein­lich­keit eines Auf­stiegs bis zu einer Vul­ka­nerup­ti­on mit einer Lot­te­rie. Die Wahr­schein­lich­keit und Chan­ce für einen Aus­bruch ist in einem Zeit­rah­men von 10 Jah­ren gerin­ger als bei glei­chen Vor­aus­set­zun­gen in 50 Jah­ren. Unter Berück­sich­ti­gung der Anzahl der his­to­ri­schen Erup­tio­nen die in den letz­ten 550 Jah­ren auf La Pal­ma auf­ge­tre­ten sind, wäre die Wahr­schein­lich­keit eines Vul­kan­aus­bruchs im 10 Jah­res­rah­men bei 11, 9%. Im 50-jäh­ri­gen Fens­ter aber schon bei 47,1 %. Die letz­te Erup­ti­on des Tene­guia im Süden von La Pal­ma liegt jetzt 47 Jah­re (1971) zurück. Sie­he auch Tene­guia Vul­kan­aus­bruch

Das eine sind Wahr­schein­lich­keits-Berech­nun­gen und mathe­ma­ti­sche Pro­gno­sen die ihre Berech­ti­gung haben. Hilf­rei­cher sind aber sicher gemes­se­ne und fest­ge­stell­te Echt­zeit­da­ten. Und danach sind ver­mehr­te mag­ma­ti­sche Bewe­gun­gen von geschmol­ze­nem Mag­ma und Erd­stö­ße aus vie­len Kilo­me­tern Tie­fe immer häu­fi­ger zu beob­ach­ten. Der Aus­lö­ser für vie­le klei­ne seis­mi­schen Beben die sich bei grö­ße­ren Mag­ma­ver­schie­bun­gen bis zum Beben­schwarm ent­wi­ckeln kön­nen. Nicht zu ver­wech­seln mit dem Tre­mor der einen unmit­tel­ba­ren Mag­ma-Auf­stieg durch die äußers­te Erd­krus­te ankün­digt. Alles erlebt und aus­führ­lich beschrie­ben wäh­rend der El Hier­ro Erup­ti­on im Jah­re 2010/11 und in mei­nem El Hier­ro Vul­kan-Buch doku­men­tiert.

Bei einer fast 50 % theo­re­ti­scher Wahr­schein­lich­keit mit immer mehr anstei­gen­der Ten­denz und die jüngs­ten seis­mi­schen Mess­ergeb­nis­se, kön­nen auf erneu­te stär­ke­re Akti­vi­tä­ten in nächs­ter Zeit hin­deu­ten. Natür­lich kann es nie­mand genau bestim­men, wann es wie­der soweit sein wird. Als ers­tes Anklop­fen und ein neu­es Lebens­zei­chen sind aber die Schwarm­be­ben vom Okto­ber und Febru­ar auf La Pal­ma zu deu­ten.

Auf­grund der mag­ma­ti­schen Zusam­men­set­zung wird sich aber bestimmt eine Erup­ti­on, wie auch schon in der Ver­gan­gen­heit, eini­ge Tage oder Wochen zuvor ankün­di­gen.

VulkanismusEtwas anders sieht es mit den ver­stärk­ten Beben im Atlan­tik­gra­ben zwi­schen Tene­rif­fa und Gran Cana­ria aus.

Der Auf­bau als Schicht­vul­kan des Tei­de und der letz­te Aus­bruch am Tei­de-Mas­siv fand am 18. Novem­ber 1909 am Chinye­ro, einem Schla­cken­ke­gel 10 km nord­west­lich des Gip­fels statt. Seit­dem ist Ruhe ein­ge­kehrt.

Eini­ge Wis­sen­schaft­ler ver­mu­ten, dass die Erd­be­ben im Atlan­tik nicht alle einen vul­ka­ni­schen Ursprung haben. Eine Rei­he von bereits ent­deck­ten Feh­lern in der afri­ka­ni­schen Plat­te könn­ten mit­ver­ant­wort­lich sein. So sieht auch der Vul­ka­no­lo­ge Neme­sio Perez ein Zusam­men­spiel zwi­schen den vul­ka­ni­schen Phä­no­men und spe­zi­fi­schen Struk­tur­merk­ma­len in der Erd­plat­te als Aus­lö­ser. Was letzt­end­lich für die Beben in der atlan­ti­schen Tief­ebe­ne ver­ant­wort­lich ist, wir die Zukunft zei­gen.

Es bleibt span­nend was der Vul­ka­nis­mus der Kana­ren noch so her­vor­zau­bert. Der heu­ti­ge Insel­an­blick ist nur eine kur­ze geo­lo­gi­sche Moment­auf­nah­me.

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