Restingolitas von El Hierro mit hoher Radioaktivität

Restingolitas

Restingolitas geben Rätsel auf.

RestingolitasUnge­wöhn­lich und sel­ten waren die Res­tin­go­li­tas schon. Die Lava-Mix­tur der im Jah­re 2011 bei der Eldis­cre­to Erup­ti­on  vor El Hier­ro aus­ge­wor­fe­nen Lava­bro­cken mit wei­ßem Kern. Nur für weni­ge Stun­den wur­den gleich zu Beginn des Vul­kan­aus­bruch im Okto­ber 2011 die­se bis dahin nicht bekann­ten Res­tin­go­li­tas an die Mee­res­ober­flä­che beför­dert. Ihren Namen beka­men sie dann spä­ter nach dem nahen Küs­ten­ort La Res­tin­ga.

Viel Spe­ku­la­ti­on und ein­ge­hen­de Unter­su­chun­gen zu den auf­fäl­ligs­ten Merk­ma­len von Far­be, Tex­tur und der Res­tin­go­li­tas- Zusam­men­set­zung wur­den durch­ge­führt. Dabei wur­de schon früh die hohe Radio­ak­tiv­ät der Res­tin­go­li­tas bemerkt. Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tät Las Pal­mas und Invol­can aus Tene­rif­fa hat­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nun Zeit der Ursa­che etwas näher auf den Grund zu gehen.

 

 

RestingolitasIn einer im Novem­ber 2014 im Wis­sen­schafts­ma­ga­zin ” Jour­nal of Afri­can Earth Sci­en­ces” ver­öf­fent­lich­ten Stu­die stell­ten sie fest, dass der wei­ße Kern eine Trachyt-Rhyo­li­thi­sche Mischung dar­stellt. Die­se schwam­mi­ge von vie­len Gas­ka­nä­len durch­zo­ge­ne Mas­se, ent­hält sehr viel Sili­zi­um und Uran. Es dürf­te sich um kie­sel­säu­re­hal­ti­ges Sedi­ment­ge­stein aus dem Mee­res­bo­den han­deln. Alte Abla­ge­run­gen von Mee­res­tie­ren und kalk­hal­ti­gen Sub­stan­zen oder auch Mate­ri­al von frü­he­ren Vul­ka­nerup­tio­nen mit hohem Sili­zi­um­an­teil.
Das dunk­le Gestein das den wei­ßen Kern umman­telt, stammt dage­gen aus tie­fe­ren Erd­schich­ten und besteht aus Basalt. Beim Auf­stieg wur­de vom basal­ti­schen Mag­ma das auf dem Mee­res­grund abge­la­ger­te hel­le Sedi­ment­ge­stein auf­ge­schmol­zen und in einer Art Recy­cling mit vie­len Gas­ein­schlüs­sen noch mit einem Scho­ko­la­den­guss ver­sie­gelt.

 

RestingolitasDie­se luf­ti­ge Mischung mit hohem Auf­trieb gelang­te so an die Mee­res­ober­flä­che und wur­de von der Mee­res­strö­mung abge­trie­ben. Nach nur weni­gen Stun­den war das Recy­cling Mate­ri­al auf­ge­braucht und es folg­te nur noch fri­sche dunk­le Lava aus der Mag­ma­kam­mer.

Hier links eine Res­tin­go­li­ta- Auf­nah­me unter dem Elek­tro­nen­mi­kro­skop. Deut­lich sind die höh­len­ar­ti­gen Gän­ge zu erken­nen. Genü­gend Platz für Gas­ein­schlüs­se.

 

 

 

Wo kommt der hohe Urananteil in den Restingolitas her?

Auf­fäl­lig für die Vul­ka­no­lo­gen war jedoch der hohe Urange­halt in den Res­tin­go­li­tas. Eine Uran­an­rei­che­rung mit Wer­ten zwi­schen 30 bis 40 ppm (Gramm pro Ton­ne) im wei­ßen Kern der Res­tin­go­li­tas. Noch nie wur­de auf und um die Kana­ri­schen Inseln solch ein Gestein mit einer so hohen Radio­ak­ti­vi­tät nach­ge­wie­sen oder gefun­den.
Es könn­te durch selek­ti­ve Über­tra­gung von Spu­ren­ele­men­ten mit­tels hydro­ther­ma­len Lösun­gen ent­stan­den sein. Durch die Mee­res­zir­ku­la­ti­on am Insel­so­ckel könn­te es zu einer hohen Kon­zen­tra­ti­on und Abla­ge­rung gekom­men sein – so der wis­sen­schaft­li­che Erklä­rungs­ver­such.

Uran ist ein radio­ak­ti­ves Schwer­me­tall und gif­tig. Es ist ein natür­li­ches Pro­dukt unse­rer Erde und kommt in unter­schied­lichs­ter Kon­zen­tra­ti­on vor. Im Erd­in­nern lie­fert es seit Jahr­mil­lio­nen Ener­gie und ist maß­geb­lich für die Erd­wär­me ver­ant­wort­lich. Wie ein natür­li­cher Reak­tor gibt der radio­ak­ti­ve Zer­fall gro­ße Men­gen Ener­gie frei und ist die Boden­hei­zung unse­res Pla­ne­ten.
Es stellt sich jetzt die Fra­ge, war­um gera­de auf El Hier­ro flach am Mee­res­grund sich soviel Uran ange­rei­chert hat.

Durch Phos­phat­hal­ti­ge Dün­ge­mit­tel kann Uran in Insel­nä­he auch auf den Mee­res­grund gelan­gen. Über­all wo Phos­phat abge­baut wird kommt auch Uran vor. So wur­de im Phos­phat aus den USA 65 bis 141 Gramm Uran pro Ton­ne und in bra­si­lia­ni­schen Phos­phat gar 220 Gramm/Tonne nach­ge­wie­sen.
Der Süden von El Hier­ro wird land­wirt­schaft­lich kaum genutzt.und wur­de daher in der Ver­gan­gen­heit sicher auch nicht über­mäs­sig mit phos­phat­hal­ti­gen Dün­ge­mit­teln belas­tet.
Auch aus ande­re Insel­re­gio­nen die im bevor­zug­ten Nord­ost Strö­mungs­ka­nal lie­gen kann Uran nicht ange­schwemmt wor­den sein.

Bleibt noch eine wei­te­re Mög­lich­keit. In den 1960/70 Jah­ren wur­den unweit der Insel El Hier­ro radio­ak­ti­ve Abfäl­le aus euro­päi­schen Kern­kraft­wer­ken im Meer ver­senkt. Meh­re­re Schiffs­la­dun­gen wur­den im Süd­wes­ten – ca. 100 See­mei­len vor der Küs­te – ent­sorgt. Fäs­ser kön­nen ros­ten und den radio­ak­ti­ven Inhalt frei­ge­ben. Die Unter­was­ser­strö­mung kann die­se Hin­ter­las­sen­schaft auch weit ver­streu­en.

Es konn­te bei den Res­tin­go­li­ta Unter­su­chun­gen nicht fest­ge­stellt wer­den, ob das Uran ober­flä­chig oder in tie­fe­ren Schich­ten des Sedi­ment­ge­stein ent­hal­ten war. Also – ob die Uran- Abla­ge­run­gen jung oder alt sind.

Fest­zu­stel­len wäre aller­dings um wel­che Art von Uran es sich han­delt.
Für Kern­kraft­wer­ke oder For­schungs­re­ak­to­ren wird sicher nur eine bestimm­te oder ange­rei­cher­te Uran­sor­te benö­tigt. Obwohl ich nicht dar­an glau­be, kann nur eine genaue Bestim­mung auch die­se Ursa­che aus­schlie­ßen.

Es bleibt also im Augen­blick noch unge­klärt, woher die­se hohe – aber für den Men­schen unge­fähr­li­che – Uran­an­rei­che­rung in den Res­tin­go­li­tas kommt.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei