Vom Tabakblatt bis zur Zigarre

Der lange und mühsame Weg zum guten Puro

Seit Mit­te August wird auf La Pal­ma wie­der Tabak geern­tet. Auf­grund der nicht so tro­cke­nen und hei­ßen Som­mer­mo­na­te, fängt die Ern­te in die­sem Jahr fast zwei Wochen frü­her an. Nor­mal sind die Tabak­pflan­zen erst im Sep­tem­ber ern­te­reif.

Schö­ne gro­ße bis zu 2 Meter hohe Pflan­zen und … von aus­ge­zeich­ne­ter Qua­li­tät, ste­hen hier links unter dem schat­tie­ren­den Gaze­enetz. Eine etwas ande­re Anbau­me­tho­de, neue ange­pass­te Tabaks­or­ten und ste­ti­ges Wäs­sern mit einer halb­au­to­ma­ti­schen Tröpf­chen-Bewäs­se­rung macht dies mög­lich.
In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind vie­le Manu­fak­tu­ren wie­der dazu über­ge­gan­gen eige­nen Tabak anzu­bau­en. Das erspart den kos­ten­in­ten­si­ven Import aus Kuba, Bra­si­li­en oder Suma­tra. So wie es frü­her üblich war, die Puros aus 100 % eige­nem Tabak zu Dre­hen. Pflan­zen­krank­hei­ten, zu war­me Som­mer und immer weni­ger Tabak­an­bau­er mach­ten die Ein­fuhr not­wen­dig.

Gegen flie­gen­de Schäd­lin­ge schüt­zen die­se Net­ze. Auch über­legt man in Zukunft Nutz­in­sek­te, wie Raub­mil­ben oder Mari­en­kä­fer unter den Zel­ten ein­zu­set­zen. Die bes­ten Anbau­ge­bie­te lie­gen ober­halb von 600 Meter über dem Meer auf der Ost­sei­te in San Isidro (Bre­na Alta) und im Wes­ten in Berei­chen der Cal­de­ra. Eine fast kon­stant hohe Luft­feuch­tig­keit von über 60 % und küh­le­re Näch­te begüns­ti­gen das Wachs­tum der Pflan­zen.

Die im Monat April gesetz­ten Säm­lin­ge wer­den jetzt Blatt für Blatt vom Stamm abge­ern­tet und zum Luft­trock­nen in einer über­dach­ten Hal­le oder im Frei­en auf­ge­hängt.
Nicht jede Blatt­la­ge hat die glei­che Qua­li­tät. Die am Stamm obers­te Lage ent­wi­ckelt am meis­ten äthe­ri­sche Öle und ist für ein Deck­blatt (äuße­re Purohül­le) nicht geeig­net.
Opti­mal sind die Blät­ter der 2. und 3. Lage. Nach die­sen Kri­te­ri­en fin­det bereits die Ern­te statt. Beson­ders gro­ße Blät­ter die­nen nach­her als Umblatt und Deck­blatt. Hier blei­ben sie unge­fähr für 6 Wochen – je nach Wit­te­rung – hän­gen, bis noch ca. 20 % Rest­feuch­te vor­han­den ist.

Lange Rei­hen, wie hier auf dem Foto links in der Manu­fak­turFin­ca El Sitio, zei­gen bereits einen zwei­wö­chi­gen Trock­nungs­vor­gang. In der Nacht wer­den die Rei­hen mit einer Plas­tik­pla­ne abge­deckt, damit aus­fal­len­der Nacht­tau den Trock­nungs­pro­zess nicht unnö­tig ver­län­gert und Qua­li­täts­ein­bus­sen zur Fol­ge hat.
Jeder der Schrit­te erfolgt in zeit­rau­ben­der Hand­ar­beit. Genau­so wie das spä­te­re Dre­hen der Puros – dar­auf legt Anto­nio Gon­za­les der Patro­nat der Fin­ca gro­ßen Wert.
Ex nihi­lo nihil fit - Von nichts kommt nichts.
Viel Erfah­rung, gründ­li­ches Arbei­ten und die Lie­be zum Pro­dukt sind die ent­schei­den­den Fak­to­ren.

Paar­wei­se wer­den mit Hanf oder Draht die Blät­ter gebün­delt und in Reih und Glied auf­ge­hängt. Bis dar­aus ein Puro her­ge­stellt wer­den kann sind noch vie­le Arbeits­schrit­te not­wen­dig. Nach der Luft­trock­nung wer­den die Blät­ter Fer­men­tiert.
Ein Gär­pro­zess der erst den Geschmack und die typi­sche Braun­fär­bung bringt. Die­ser Vor­gang wird je nach Ver­wen­dungs­zweck bis zu 3x wie­der­holt. Anschlie­ßend ist Ruhe ange­sagt. Rund 2 Jah­re muß nun der Tabak lagern um fei­ne Geschmacks­nu­an­cen her­aus zu arbei­ten. Ein ähn­li­cher Ent­wick­lungs­vor­gang wie im Gär­kel­ler für einen guten Wein. Stän­di­ge Kon­trol­le, die rich­ti­ge Luft­feuch­tig­keit, die idea­le Tem­pe­ra­tur und mehr­fa­ches Umla­gern las­sen dann einen leich­ten, wür­zi­gen oder aro­ma­ti­schen Tabak ent­ste­hen.

Auch wenn die Blü­ten der Tabak­stau­de (unten) schön anzu­se­hen sind, eig­net sich die­se Pflan­ze höchs­tens noch für die Samen­ver­meh­rung, als Ein­la­ge eines Short­fil­ler oder für die Blu­men­va­se. Alle Kraft wur­de für die Blü­ten und Samen­bil­dung auf­ge­braucht.
Ich wer­de die­sen Vor­gang in den nächs­ten Mona­ten Beglei­ten und die über die Ent­wick­lungs­schrit­te wei­ter berich­ten.

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