Wie gefährlich sind Vulkangase?

Was macht das Vulkangas Schwefeldioxid SO2 so gefährlich?

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Bei jedem Vul­kan­aus­bruch wer­den gro­ße Men­gen an Vul­kan­ga­se aus­ge­sto­ßen. Es ist beson­ders das Schwe­fel­di­oxid SOdas für Mensch und Tier auch in wei­ten Ent­fer­nun­gen von der Erup­ti­ons­stel­le noch gefähr­lich wer­den kann. Auf der Kar­te (DLR) ist der Aus­brei­tungs­weg vom Vul­kan Bardar­bun­ga auf Island zur Küs­te Nor­we­gens und über das Nord­meer nach Osten zu erken­nen. Dun­kel­ro­te Ein­fär­bun­gen zei­gen eine beson­ders hohe Kon­zen­tra­ti­on. Mit dem UV-Spek­tro­me­ter Gome 2 auf dem Erd­be­ob­ach­tungs­sa­tel­li­ten Meto­pA und MetopB emp­fängt das Deut­sche Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR) in Ober­pfaf­fen­ho­fen alle zwei Stun­den die neu­es­ten Mess­da­ten der Schwe­fel­di­oxid-Wol­ke.

Schwe­fel­di­oxid, SO2, ist das Anhy­drid der Schwef­li­gen Säu­re H2SO3. Schwe­fel­di­oxid ist ein farb­lo­ses, schleim­haut­rei­zen­des, ste­chend rie­chen­des und sau­er schme­cken­des, gif­ti­ges Gas. Es ist sehr gut (phy­si­ka­lisch) was­ser­lös­lich und bil­det mit Was­ser in sehr gerin­gem Maße Schwef­li­ge Säu­re (Quel­le: Wiki­pe­dia).

Schwe­fel­di­oxid schä­digt in hohen Kon­zen­tra­tio­nen Mensch, Tie­re und Pflan­zen. Die Oxi­da­ti­ons­pro­duk­te füh­ren zu „sau­rem Regen“, der emp­find­li­che Öko­sys­te­me wie Wald und Seen gefähr­det sowie Gebäu­de und Mate­ria­li­en angreift. Ent­schwe­fe­lungs­an­la­gen und ande­re tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen sol­len die künst­lich vom Men­schen erzeug­ten Schwe­fel­di­oxid­wer­te redu­zie­ren.

Eine Schwe­fel­di­oxid­kon­zen­tra­ti­on, die über dem Nor­mal­wert liegt, kann beim Men­schen zu Kopf­schmer­zen, Übel­keit und Benom­men­heit füh­ren. In höhe­ren Kon­zen­tra­tio­nen schä­digt das Gas stark die Bron­chi­en und Lun­gen. 

Eine hohe Schwe­fel­di­oxid­kon­zen­tra­tio­nen über einen län­ge­ren Zeit­raum auf­ge­nom­men, führt durch die Zer­stö­rung des für die Blut­bil­dung wich­ti­gen B12-Vit­amins zu Anämie (Blut­ar­mut) und kann zum Tode füh­ren.

Bis­her war Island und Skan­di­na­vi­en noch nicht direkt betrof­fen. Die Wind­strö­me führ­ten die Schwe­fel­di­oxid­wol­ken noch nörd­lich um die bewohn­ten Gebie­te her­um. Aber eine Rich­tungs­än­de­rung des Win­des kann schnell die Situa­ti­on ändern. Die Mess­me­tho­den las­sen zur Zeit nur die räum­li­che Aus­brei­tung per Satel­lit erken­nen. Die Genau­ig­keit der Schwe­fel­di­oxid-Wer­te oder eine Vor­her­sa­ge über den Strö­mungs­ver­lauf ist noch beschränkt. Es sind gro­be Schät­zun­gen und Hoch­rech­nun­gen aus den Wer­ten der ört­li­chen Mess­ein­rich­tun­gen, die die Kon­zen­tra­ti­on in ent­fern­te­ren Regio­nen in etwa Abschät­zen las­sen.

Wie meh­re­re Insti­tu­te über­ein­stim­mend ver­mu­ten, wer­den aus den Vul­kan­schlo­ten auf Island zur Zeit pro Sekun­de 700 bis 1000 kg Schwe­fel­di­oxid aus­ge­sto­ßen.

 

Nicht nur die Vulkangase, sondern auch die Verformung wird interessant.

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Fast 150 Erd­be­ben wur­den ges­tern auf Island regis­triert. Über 45 Beben tra­ten am Bardar­bun­ga auf. Das stärks­te Beben von ML5,3 am nörd­li­chen Rand der Cal­de­ra um 14.22 Uhr. Hat­te sich die Cal­de­ra in den letz­ten Tagen durch­schnitt­lich pro Tag um 50 cm gesenkt, scheint nun eine Ände­rung ein­zu­tre­ten. Die IMO Gra­fik zeigt den Kur­ven­ver­lauf der letz­ten 3 Tage. Seit heu­te Mor­gen scheint die Absen­kung gestoppt und eine leich­te Auf­blä­hung zu erfol­gen (Dan­ke an Peter Kocks­hold).

 

Was kann das bedeu­ten?

Der Mag­ma­ab­fluss zur 20 km nörd­lich ent­fern­ten Erup­ti­ons­spal­te ver­siegt – oder es steigt kräf­tig neue Mag­ma aus dem Erd­in­nern in die Mag­ma­kam­mer nach.

Nach den Indi­zi­en der jüngs­ten star­ken Beben direkt beim Bar­bar­bun­ga (aktu­el­le Wer­te in der rech­ten Sei­ten­leis­te ankli­cken) muss eigent­lich unter­stellt wer­den, dass jetzt die Zeit für den Bardar­bun­ga selbst gekom­men ist. Die fla­chen Beben­tie­fen bis 0,8 km Tie­fe (gemes­sen wird ab Mee­res­hö­he) wer­den oder haben schon bereits einen Durch­bruch unter der bis zu 600 Meter dicken Glet­scher­schicht geschafft.

Die islän­di­schen Wis­sen­schaft­ler sind sich auch nicht im Kla­ren, ob die Eis­schicht bereits von hei­ßer Mag­ma erreicht wur­de. Es müss­ten grö­ße­re Was­ser­ab­läu­fe aus der Cal­de­ra zu beob­ach­ten sein. Dies ist aber noch nicht der Fall. Auch wäre es mög­lich, dass sich unter dem Glet­scher bereits ein See gebil­det hat, der noch von den har­ten Eis­schich­ten gefan­gen gehal­ten wird. Es wäre dann aller­dings nur eine Fra­ge der Zeit bis die Däm­me bre­chen.

Auch die­ser Vul­kan­aus­bruch auf Island steckt wie­der vol­ler Geheim­nis­se … und auch wenn ich mich wie­der­ho­le “Die Natur lässt sich nicht so ein­fach in ihre Kar­ten schau­en”.

Die Wis­sen­schaft um die Vul­ka­no­lo­gie ist erst am Anfang. Sie kennt bis­her nur die Rah­men­be­din­gun­gen – die genau­en Spiel­re­geln müs­sen noch ent­deckt wer­den.

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